Julia H. und Leni

Als wir uns im März dazu entschieden hatten, eine Hündin bei uns aufzunehmen, ist die Entscheidung eher aus dem Bauch als von unserem Kopf getroffen worden. Pablo, unser mittlerweile fast 14-jähriger Hund (ein Ex-Strassenhund aus Napoli, der vor 12 Jahren zu uns gekommen ist) ist inzwischen nicht mehr so agil, wir sind beide berufstätig und fahren gerne in den Urlaub, ausserdem wollen wir ja irgendwann auch Kinder… Tausend Gründe und einer, die gegen einen neuen Hund sprechen.

Als wir begonnen haben, nach Tierschutzorganisationen zu suchen, die Strassenhunde oder Tierheimhunde aus Auffang- oder Tötungsstationen vermitteln, sind uns schon kurz Gedanken in den Kopf geschossen wie „Sollen wir nicht doch lieber dieses Mal einen Welpen nehmen?

Wollen wir wirklich wieder ca. 15 Jahre einen Hund, der Zeit und volle Aufmerksamkeit braucht?“ – Die Frage nach dem Welpen hat sich schnell erledigt.

Genug Rasse- und Mischlingshundewelpenzüchter, die ihre „Ware“ mit Papieren für günstiges Schnäppchengeld im Internet auf zahllosen Hundeplattformen sowie in Zeitungsannouncen anpreisen.

Lange schon finde ich, sollte es für Hunde eine Art „Bestandsaufnahme“ geben, sodass die Zucht wie auch das Wild im Wald einer natürlichen Grenze unterliegt, um die wahllose und sinnlose (Rassen-) Zucht im Schacht zu halten.


 

Um ehrlich zu sein, haben wir am Anfang uns auch die Möglichkeit offen gehalten, erst einmal einen Pflegeplatz zu bieten, auch um vielen Hunden die Möglichkeit auf ein richtiges Hundeleben zu bieten.
Als wir dann durch Zufall auf die Seite von „salvate-canes.de“ gekommen waren, haben wir uns alle Hunde in Ruhe angesehen. Intuitiv haben wir uns damals für die ca. 1jährige „Nicht-Schönheitskönigin“ Lara entschieden, die wir bei ihrer Ankunft in „Leni“ umgetauft haben. Sofort war klar, dass es sich bei dieser Entscheidung nicht um einen Pflegeplatz handeln würde, sondern darum, diesem Hund ein neues Leben an unserer Seite zu bieten.

 

Als die Entscheidung für Leni und für den Adoptionsvertrag gefallen war, ging bereits die Vorfreude los, aber auch die ersten grossen Gedanken und Sorgen. Bisher sind uns unsere Familienhunde immer zugelaufen, im Urlaub und in der Heimat und wir hatten nicht lange Zeit, uns für oder dagegen zu entscheiden.Was, wenn die kleine Leni gar nicht zu uns passt? Beisst? Aggressiv auf andere Hunde reagiert? Niemals stubenrein wird oder gar krank bei uns ankommt?

Eine geplante Adoption kam mir ähnlich wie eine kleine Schwangerschaft vor und ich wollte mich optimal auf die Zeit mit unserem neuen Familienmitglied vorbereiten. Zusammen haben wir abermals Hundebücher gewälzt (mein Lieblingsbuch „Der Wolf im Hundepelz“), Videos geschaut und die Zeit nach der Adoption (wir hatten beide frei, und haben lange Wanderungen in den Bergen zusammen mit unserer Familie und Pablo geplant)

erwartet.In all dieser Zeit war ich über die Unterstützung durch die Organisation, durch Frau Dr. Olivia Offner persönlich, sehr froh und dankbar. Ich durfte sie zu jeder Tageszeit mehrmals anrufen und war beruhigt, dass ich das Angebot öfters angenommen habe. Sie hat uns bei der Planung der Eingewöhnungsphase sehr geholfen und hat mir das Gefühl von Sicherheit gegeben.

Als es dann endlich soweit war, standen wir beide mit zittrigen Knien am Autobahnrastplatz bei München, um unsere Kleine Unbekannte in Empfang zu nehmen. Irgendwie hatte ich mir das Ganze dramatischer vorgestellt: Statt einem klapprigen rumänischen LKW kam ein moderner weisser und geräumiger Lieferwagen mit zwei sehr netten und vertrauenswürdigen Fahrern an, die unsere Leni aus einer grossen und gemütlich aussehenden Transportbox in unser Auto getragen und uns die Papiere (mit allem drum und dran) ausgehändigt haben.


 

Nun ging die Reise los in Lenis neues Leben. Und in unser neues Leben mit Leni.Schon auf den ersten Blick haben wir gesehen, dass all das, was in Lenis Beschreibung stand, wahr ist: Sie war ruhig, lieb, liess sich sofort im Kofferraum streicheln und liebkosen und hatte von Anfang an einen treuen Blick und scheinbares Vertrauen zu den Männern und zu uns. Nur eines stimmte ganz und gar nicht: Leni ist über alle Maße eine Schönheitskönigin!

Zuhause angekommen, war Leni erst einmal schüchtern. Sie wich uns kaum von der Seite: Alles war neu, das Haus, die Treppen hinein, ein Garten, die vielen Menschen (meine Familie) und auch der andere komische, grosse, dicke Hund, der sie erst einmal neugierig begutachtete.

Beim ersten Spaziergang entspannte sie sich ein wenig. Ich würde immer den Wald einem Haus mit Türen und Zimmern zum Eingewöhnen vorziehen.

Gemeinsam zu laufen bietet dem Hund Sicherheitsabstand und er wird auf natürliche Art und Weise zur Begleitung erzogen bzw. schonend daran gewöhnt. Leni durfte zwar nicht von der Leine, konnte aber zusammen mit Pablo die Gegend erkunden und ein wenig Vertrauen in uns fassen.


 

Die erste Nacht sowie die folgenden Tage verliefen reibungslos. Wir liessen Leni die Zeit unser Leben und das Leben ausserhalb des Zwingers zu erkundigen, überstürzten nichts, nahmen sie aber von Anfang überall mit hin, wo wir unterwegs waren und sie dankte uns dies mit einem schnellen Vertrauensbekunden und ihrer absolut lieben, dankbaren und braven Art. Leni kannte zwar gar nichts und wich vor vielem zurück (selbst vor ihrer neuen Futterschüssel hatte sie erst einmal Angst), liess sich aber gelehrig und anstandslos auf alles ein und konnte Sachen im Nu wiedererkennen:Beim Auto spring ich in den Kofferraum, der Garten ist zum Spielen und Pipi-Machen da, das Halsband und die Leine heisst zur Türe Rennen, wenn jemand zwei Silben ruft, die wie „Leni“ klingen, bin ich gemeint, abends wenn die beiden Menschen sich ins Bett

legen, muss ich auf meine Decke und wenn die Menschen essen, kann ich mich unter den Tisch setzen…Keine Anzeichen von Stubenunreinheit, Aggressionen oder sonstigen Geisteserkrankungen, wie es so viele Personen erwartet hätten. Im Gegenteil: Leni war von Anfang an ein selbstbestimmter, ruhiger, mit anderen Personen oder Tieren aller Art freundlicher Hund, der zwar seine Zeit braucht, um Vertrauen zu fassen, aber dann neugierig und sanft auf alle zugeht und die Liebe und Aufmerksamkeit geniesst, die man ihm freiwillig und ohne zu Zögern mit Hingabe geben möchte.

Ausserdem kann sie sehr gut alleine bleiben, weil sie gewöhnt ist, auf sich selbst gestellt zu sein und nicht in übergrossem Ausmaß auf uns angewiesen ist. Und die Tierärztin meinte „So einen gepflegten und sauberen Hundepass mit allen Impfungen, Mikrochip, Sterilisation und sogar Anti-Zecken Mittel wünscht man sich bei jedem Haustier!“

Leni ist tipptopp gesund!


 

Nun sind fast drei Wochen vergangen und jeder Tag mit unserer kleinen Leni ist noch spannender und toller als wir uns das zu träumen gewagt hätten.In diesem Sinne wollen wir noch einmal dem Verein danken, insbesondere Frau Offner, die uns auch nach der Adoption ständig telefonisch oder per Email zur Seite gestanden hat – auch für diese wunderbare Erfahrung, dass die Adoption eines neuen Hundes so reibungslos und ohne jegliche Probleme, falsche Versprechungen oder Unklarheiten abgelaufen ist.

Julia, Leni und Dominik

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